Bleib dran!

Es ist Freitag. Abends. Wir sitzen auf dem Sofa. Liegen. Lümmeln. Meine Frau, meine Tochter und ich. Wir. Ein Glas Wein, Saft und das Fernsehen.

In dem wir die Tagesthemen sehen. Und das Gespräch, in dem Ingo Zamperoni mit dem Chefankläger der Nürnberger Prozess spricht. Über die Prozesse, die vor 75 Jahren so wichtig waren. Für die Welt. Für das Völkerrecht. Die das Völkerrecht veränderten. Die Welt leider nicht. Die Prozesse, in denen der damals 25jährige Chefankläger versuchte, das unbegreifliche, das schreckliche, das unbeschreibliche Leid fassbar zu machen. Um es strafbar zu machen. Über das der jetzt 101jährige sein Leben lang spricht. Sein langes Leben. Benjamin Ferenc. Der nach seiner Botschaft an die folgenden Generationen gefragt wird und der einen Satz dreimal wiederholt: „Gib niemals auf.“

Das Gespräch, dem wir interessiert folgen und das Gespräch zwischen meiner Frau und meiner Tochter, dem ich folge. Und die Frage meiner Frau an meine Tochter höre, welchen Satz für ihr Leben Bedeutung hat. Den sie sich immer wieder sagt. Ihren Satz. Und ich höre ihre Antwort, in der sie auf den Spruch in ihrem Zimmer hinweist. Der auf einem Bierdeckel steht, auf dem natürlich kein Bier, sondern der angelehnt auf ihrem Schreibtisch steht. Den Schreibtisch, den sie in den letzten Tagen aufgeräumt hat. Bei verschlossener Tür. Damit es ihr Schreibtisch wird, nicht unserer. Und auf den sie diesen Bierdeckel gestellt hat. Mit dem Spruch. Mit ihrem Satz. Der schon vor diesem Freitagabend dort stand. Ich höre ihren Satz. Denken über das nach, was sie in ihrem jungen Leben schon erlebt hat. Was sie geschafft hat. Wie oft sie vom Pferd gefallen und immer wieder aufgestanden ist. Sich wieder auf das Pferd gesetzt hat. Weitergeritten ist. Weitergemacht hat. Was sie in der Schule schafft. In dieser Zeit schafft. Und das sie lacht.

Ich höre ihren Satz und ich frage mich, wie viel ich noch von ihr lernen darf. Wie viel Kraft sie mir noch geben wird. In ihrem, in meinem, in unserem Leben. Mit ihrem Satz:

Bleib dran und gib nie auf!

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STEFAN HAGEN

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