Es ist Samstag. Es ist wieder kalt, grau und ich war laufen…

Langsam und auf der alten Bahntrasse, die jetzt Rad- und Wanderweg ist. Auf der wir so oft, so viele Kilometer gelaufen sind. Mit Freunden, mit meiner Frau und gerne auch allein. Weil diese Strecke an einem Wald, an Wiesen und an der Wupper liegt, die hier noch die Wipper ist. Der Teil der Strecke, der hier so gerade, so monoton ist und so zum Denken beim Laufen anregt. Zum Nachdenken über die Woche.

Die mit dem virtuellen Homeschooling für meine Tochter beginnt. Unterricht nach Stundenplan. Per Videocall. Was zu Beginn ruckelig, dann stabil und besser als bisher ist. Sagt meine Tochter, für die es zu Beginn ungewohnt ist, die sich aber schnell zurechtfindet und für die es am Ender der Woche schon Routine ist. Weil die Lehrer es anders, weil sie es gut machen. Was meine Tochter mir erzählt, in der gemeinsamen Schul-Gesprächs-Pause. Und was ich ihr glaube, weil ich sie höre. Die Lehrer, die Mitschüler, meine Tochter, ihr Lachen, das Klavier. Im Musikunterricht. Was mich lachen lässt.

Über das Gespräch zu Beginn der Woche. Das spontane Gespräch über den Respekt und das wertschätzende Sie, als Chef. Das zum partnerschaftlichen Du werden sollte und was für ihn mehr ist als eine Floskel. Was für ihn wertvoll ist. Was immer seltener ist. Dem Du, zu dem es nicht kam, weil sein Vertrauen verletzt, er selbst enttäuscht und das Angebot erst gar nicht ausgesprochen worden ist. Was jetzt im Raum steht. Zwischen ihnen steht. Was nicht sein soll, weil er das nicht will. Worüber wir sprechen. Und was nach unserem Gespräch, zu einem nächsten Gespräch und am Ende der Woche, zum partnerschaftlichen Du geführt hat. Was ihn freut. Was wiederum mich freut.

Über die nächsten Wochen, von denen wir nicht wissen, wie es wird. Weil andere darüber entscheiden, was wird. Und ich befürchte, dass auch sie nicht wissen, was wirklich wird. Weil niemand es wirklich wissen kann. Und ich ahne, dass es noch mehr wird. Mehr an Einschränkungen, die wohl notwendig sind. Mehr an Veränderungen, an neuen Regelungen und an Verunsicherung. Nicht an wirtschaftlicher Hilfe. Die nicht wirklich ankommt und wieder zeigt, dass gut gemeint, nicht gut gemacht sein muss. Was aber sein muss, wenn es weitergehen soll bei den vielen Unternehmen. Vor allem bei den kleinen, bei den Menschen. In den nächsten Wochen, die viele Existenzen kosten werden. Was mich traurig macht.

Über die Veränderungen in einem Unternehmen. Die zur Zeit erzwungen sind und dazu führen, dass sie vieles anders machen. Zuerst ungewollt, dann gut gemacht und schließlich mit mehr Erfolg als gedacht. Die Veränderungen, die jetzt umgesetzt sind und bleiben können, was sie hoffentlich nicht werden. Weil trotz des Erfolgs etwas fehlt, was so wichtig ist. Für uns alle so wichtig ist. Der persönliche Kontakt, die räumliche Nähe zum Kunden, zum Menschen und das gemeinsame Machen und Lachen. Was auch mir fehlt.

Über die fehlende körperliche Nähe zu meinem Vater, der diese Woche Geburtstag hat. Den ich zur Zeit nur allein besuchen kann. Meine Familie nur telefonisch gratulieren kann. Über die Distanz, die wir einhalten. Seit Wochen und an diesem Tag. In unserem Landkreis, der ein Hotspot ist. Dass die nötige Distanz natürlich schade ist, aber dass das Leben meines Vaters, meiner Eltern wichtiger ist. Dass die Gesundheit nicht abzuwägen, sondern zu schützen ist. Was mich vorsichtig macht.

Und was mich nachdenklich macht. Weil die Zeit uns nachdenklich macht und uns ernster macht. Weil die Zeit so viel Kraft kostet. Uns scheinbar die Zuversicht fehlt und wir zur Zeit nicht wissen, wie es weitergeht. Und wir zu wenig sehen, dass es doch geht. Dass das Homeschooling geht, das Gespräch, das Vertrauen, das die Veränderung und das auch noch Nähe geht. Dass auch das Laufen geht. Ok, dass es fast so ist, als ob ich geh. Aber es geht und so laufe ich weiter und nehmen mir vor, in der nächsten Woche wieder mehr auf das zu achten, was geht. Und mehr Laufen zu gehen.

DANKE und eine gute Woche.

Herzliche Grüße Ihr Stefan Hagen 

STEFAN HAGEN

In der Bicke 21
D-51688 Wipperfürth

+49 (0) 2267 871 883

info@stefan-hagen.com

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