Es ist Sonntag und mit einem Text von Samstag über den Vortrag am Freitag bei dem Business-Frühstück der Stadt Kleve, möchte ich mich bei allen TeilnehmerInnen und allen Beteiligten der Wirtschaftsförderung der Stadt Kleve bedanken. Danke, dass Sie mir bei der Beantwortung einer Frage geholfen haben. Bei der Frage:

„Hat mir das gefehlt?“

Es ist Samstag. Und es ist Sommer im September. Den ich genieße. Den Sommertag und den gestrigen Tag. Den Vortag.
Der gestrige Vortrag, der der erste seit Monaten ist, bei dem ich vor vielen Menschen spreche. Live. Analog. Präsenz. Und Ungewohnt. Und mit einem großen Kribbeln im Bauch. Vor Nervosität. Sicher auch wegen des ungewohnten Gefühls, wieder vor einer großen Anzahl von Menschen zu stehen. Aber nicht nur deshalb, denn bei diesem Vortrag soll etwas anders sein. Will ich anders sein.

Denn bei der Vorbereitung des Vortrags, auf den ich mich freue, stellt sich mir eine Frage. Eine ungewohnte, eine ungewollte und doch eine entscheidende Frage:

„Hat mir das gefehlt?“

Hat mir das in den letzten Monaten gefehlt? Gefehlt vor Menschen zu sprechen? Die Frage, die mich zu Beginn der Vorbereitung völlig blockiert. Mich verunsichert und mich die Vorbereitung immer weiter schieben lässt. Die mich zwingt, mir meine bisherigen Vorträge der letzten Jahre nochmals in Erinnerung zu rufen, mir die Themen, die Titel, die Präsentationen anzusehen. Was mich noch unruhiger werden lässt. Mich immer wieder vom Schreibtisch aufstehen und durch das Zimmer, durch das Haus gehen lässt. Und mich zu der Erkenntnis kommen lässt:

„Das hat mir nicht gefehlt!“

Das auf einer hohen Bühne stehen. Das Erklären, Inszenieren, Interagieren. Das Entwickeln eines Spannungsbogens. Das Durchtakten. Das Auswählen passender, aber fremder Bilder. Und Geschichten. Und Beispiele bekannter Menschen, mit denen sich die Teilnehmer identifizieren. Das Präsentieren von allgemein gültigen Aussagen, Entscheidungen und vor allem Lösungen. Das Suchen nach dem schmalen Grat zwischen Wissen und Unterhaltung. Alles das, was einen guten Vortrag ausmacht. All das, was wir wissen, über gute Vorträge. Wie wir es immer wieder machen, von den hohen und großen Bühnen. Das standardisierte und unterhaltsame „Wie“. Wie Sie gute Entscheidungen treffen. Wie Sie Veränderungen bewältigen. Wie Sie mutig handeln. Bei mir. Wie Sie erfolgreich werden. Wie Sie sich motivieren. Wie Sie… Wie Sie… Wie Sie… Bei anderen.

Und wie ich es nicht mehr machen will. Das allgemeingültige „Wie“ präsentieren. In dem Wissen, dass es auf die individuellen Themen der Teilnehmer, keine standardisierten Lösungen gibt. Von denen ich dennoch spreche. In den bisherigen, den klassischen Vorträgen. In meinen Vorträgen.

Nicht bei diesem Vortrag. Diesmal nicht. Diesmal bitte ich um keine Bühne. Weil die hohe Bühne, nicht meine Bühne ist. Bitte um ein Flipchart. Schmeiße die fremden Bilder, in der aufgrund des großen Saals für die vielen Teilnehmer notwendigen Präsentation, raus. Nehme selbstgemachte rein. Nur wenige Bilder. Bilder der letzten Wochen und Monate. Meine Bilder. Von denen ich auch sprechen will. In meinem Vortrag. In dem ich nicht erklären, sondern nur erzählen will. Von den Gesprächen mit Menschen. Und von mir. Im Bewusstsein, dass es nicht inszeniert, nicht präsentiert und vielleicht nicht immer lustig ist. Wie das Leben und die Erfahrungen der Menschen, die eben nicht durchgestylt sind.
Und weil ich nicht weiß, wie es bei den Teilnehmern ankommt, bin ich gespannt. Und angespannt. Und fange. Spreche, wie immer zu schnell und erkläre zu Beginn, dass ich das Wie nicht erklären, nur von dem Wie und dem Wofür anderer erzählen werde. Und ich erzähle nicht alles, was ich eigentlich will. Und manches, was ich eigentlich nicht will. Was aber gerade passt. Springe mit den Gedanken und ändere spontan. Weil es passt. Achte nicht auf Spannungsbögen, auf die Inszenierung, nicht auf die Interaktionen. Nicht auf die Zeit. Die trotzdem passt.

Und ich merke, während ich spreche, dass es für mich passt. Dass ich mich vorbereitet, aber nichts vorgefertigt habe. Und ich merke, dass mir das gefehlt hat. Das Sprechen vor Menschen, wenn ich mit den Menschen und von den Menschen sprechen kann. Nicht von scheinbaren Erfolgskonzepten. Nicht von der einzigen Wahrheit, die selten die wirkliche Wahrheit ist. Nicht von der großen und hohen Bühne, von oben. Sondern von den Gesprächen, den Menschen, vom Leben. Und ich merke, dass es für die Teilnehmer passt. Was sie mir nach dem Vortrag sagen. Spontan, zahlreich und mich so unbewusst bestärkend. So fahre ich von dem Vortrag nach Hause. Erschöpft, mit vielen Gedanken und zufrieden, eine Antwort auf meine Frage gefunden zu haben:

„Das hat mir gefehlt.“

Das Erzählen. Nicht das Präsentieren. Nicht erst die letzten Monate hat das gefehlt. Das und die Gespräche mit den Menschen vor und nach den Vorträgen. Die haben gefehlt.

IHR ONLINE GESPRÄCH

STEFAN HAGEN

In der Bicke 21
D-51688 Wipperfürth

+49 (0) 2267 871 883

info@stefan-hagen.com

Pin It on Pinterest

Share This