Es ist Samstag..
Ich gehe mit meiner Tochter durch die Stadt. Auf der Suche nach… Toilettenpaper. Was wir natürlich nicht bekommen. Dafür kaufen wir andere lebenswichtige Dinge. Schokolade. Für jeden eine Tafel. Für jeden eine andere Geschmacksrichtung. Und Gummibärchen. Abstand an der Kasse. Jeder ist freundlich. Die Kassiererin lächelt. Wünscht ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund. Gelassenheit und Rücksichtnahme sind spürbar.

Wir gehen weiter. Auf der Suche nach… Toilettenpapier. Durch die Stadt. Die leere Stadt. Alle Geschäfte geschlossen. Schilder an der Türe. Das macht traurig. Denn ich weiß, hinter jeder verschlossenen Tür, hinter jedem Schild sind Menschen mit Ihren Sorgen. Wie geht es weiter? Wer zahlt die Mitarbeiter, die Miete, die eigene Krankenkasse, das eigene Leben? Ich denke an die Gespräche der Woche. Die Gespräche mit meinen Kunden. Mit Kollegen. Mit Unternehmern. Schließungen, Kurzarbeit, Stundungen. Wer hilft bei Darlehen, die viel zu bürokratisch und zu spät gewährt werden? Wenn überhaupt.

Denke aber auch an deren Stärke, deren Mut und deren Wille. „Es wird weitergehen. Irgendwie. Wir geben nicht auf. Noch nicht. Noch lange nicht. Wir halten zusammen.“ Worte, die ich in jedem Gespräch höre. Worte, die den Charakter dieser Menschen zeigen. Mir fallen die Worte unseres Altkanzlers Helmut Schmidt ein: „In der Krise beweist sich der Charakter.“

Ohne Toilettenpapier, aber mit Schokolade und Gummibärchen – meine Frau nennt sie Trostbärchen – kommen wir nach Hause. Treffen einen Bekannten. Konzernmitarbeiter. Noch keine Kurzarbeit. „Die sog. Krise geht mir am Arsch vorbei. Kennst Du jemanden, der krank ist?“ Worte, die ich höre, aber nicht verstehe. „Nein, noch nicht. Und das ist gut so. Wird aber nicht so bleiben.“ Ist meine Antwort. „Dieses ganze Theater ist völlig übertrieben. Ich werde nichts ändern.“ Schiebt er hinterher. „Und Deine Mutter? 86 Jahre? Geht Sie Dir am Arsch vorbei?“, will ich sagen. Tue es aber nicht, denn ich bin sprachlos.

Ich frage nicht, wie lange sein Unternehmen noch produziert. Wie es den Kollegen in seinem Unternehmen geht, die schon Kurzarbeit erleben. Erzähle nicht von den Sorgen, den Problemen meiner Kunden, deren Unternehmen, deren Mitarbeiter. Sage nichts, von meinen Absagen, von der Kurzarbeit in der Familie, bei Freunden, bei Bekannten. Erzähle nicht von freiwilligen und angeordneten Quarantänen, von der jetzt schon bestehenden Belastung der Freunde, die Ärzte, Pfleger oder anderweitig systemrelevant sind. Sage nichts zu ihm. Denke nur an die Worte Helmut Schmidts:

In der Krise beweist sich der Charakter.

Beweist Charakter. Denkt nicht nur an Euch. Denkt auch an andere. Helft, unterstützt, tut etwas. Für andere. Diese Krise geht uns nicht am Arsch vorbei. Jetzt haben wir die Chance, Charakter zu beweisen.

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