Neulich an der Tankstelle.
Nochmal kurz tanken. Luxus. Auf dem Weg zum Kunden.
An der Kasse stehe ich an. Vier Jungs, vielleicht fünfte Klasse, höchstens sechst, gehen shoppen. Süßigkeiten. Auf dem Weg zur Schule.
Etwas davon. Ein bisschen hiervon. Drei von denen. Vier von dem. Getränke? Klar. Der Berg wird immer größer und die Schlange hinter mir immer länger. Ich drehe mich um und sehe in lächelnde Gesichter. Keine Ungeduld. Nur Verständnis. Denn jeder, der hier gerade ansteht, denkt an seine Jugend. An den Kiosk. Das Büdchen. An die Süßigkeiten, die wir uns von unserem Taschengeld gekauft haben. Teils erlaubt, meist heimlich. Jeder sieht sich in diesem Moment an der Kasse stehen. Auch ich.
Die Frau hinter mir lacht und sagt: „Ihr lasst es euch aber gut gehen." Der Kleinste von den vieren dreht sich um, haut dabei einen 50 Euro-Schein auf den Tresen, der Kassierer gibt einen Zehner zurück, und der Junge sagt: „Man muss sich auch mal etwas gönnen."
Gesagt, alles in den Rucksack gepackt. Mit der Bemerkung untereinander - „Gestern war es noch mehr" – verlassen die vier die Tankstelle.
Ich zahle, steige ins Auto und fahre weiter. Sehe mich als Kind an dem Kiosk in unserer Straße stehen. Für 50 Pfennig eine kleine Tüte Süßigkeiten kaufen. Dann mit Freunden auf der Straße spielen. „Wir hatten eine gute Zeit", schrieb mir vor Kurzem ein Freund aus der Kindheit. Er hat recht. Wir hatten eine gute Zeit.
Die wünsche ich den Jungs. Eine gute Zeit und die Möglichkeit, sich immer mal wieder etwas zu gönnen. Jetzt die Süßigkeiten. Später das Tanken. Luxus.
P.S. Dieses Foto entstand während eines Urlaubs. Es ist nicht nur bildlich ein Genuss. Für mich. Oliven und Brot haben die Süßigkeiten mittlerweile verdrängt. Es ist auch eines der Bilder, die im Herbst in meinem Bildband „Beyond Words" im Verlag edition:behmann erscheinen werden.