Die Stunde des Wolfes

Die Stunde des Wolfes

Drei Uhr nachts. Ich bin wach und ich muss lachen. Über mich, weil ich es immer wieder schaffe, pünktlich aufzuwachen. Pünktlichkeit ist mir wichtig. Offensichtlich selbst um drei Uhr nachts. Immer mal wieder. In der Stunde des Wolfes.

Ich stehe auf, gehe ans Fenster. Im Hotel. In dem Gebäude gegenüber brennt Licht. Im Büro. Um drei Uhr nachts. Übertriebener Fleiß, zu hoher Druck oder nur vergessen? In dem Moment erinnere ich mich an eine Nachricht, die ich zwar morgens gelesen, die aber nachts um drei Uhr geschrieben wurde. Bestimmt nicht aus diesem Büro. Aber von einem Unternehmer, der nicht schlafen konnte, weil er etwas ändern wollte. In seinem Leben. Und ich ihm dabei helfen sollte. In seinem Unternehmen.

Deshalb bin ich hier. Im Hotel. Für das Gespräch. Um von dem Unternehmer zu hören, was er ändern will, damit er ruhiger schlafen kann. Was er vielleicht schon kann, wenn er darüber spricht und erkennt, dass das Aufwachen in dieser Zeit biologisch natürlich ist. Das Schreiben einer Nachricht ist es nicht. In der Stunde des Wolfes.

Ich stehe am Fenster und denke mir, wie spannend es ist, einen Menschen kennenzulernen. Einen Tag mit ihm zu sprechen. Ihm zuzuhören. Zu erfahren, was ihn immer wieder wach werden lässt. Und das genau das mich wach werden lässt. Aufstehen lässt. Zufrieden sein lässt. Immer noch.

Ein kurzer Blick auf die Uhr. Das Licht gegenüber ist aus. Meines auch. Und ich schlafe ein. Immer wieder.

P.S. Das Bild eines klassischen Bürohauses entstand in Hamburg. Nicht das, in dem das Licht brannte. Aber symbolisch für dieses. Hoch, viel Glas und anonym. Zweckmäßig. Außen nüchtern, innen belebt. Tagsüber. Hoffe ich.