Es ist Samstag und ich will schreiben.

 

Über die Gespräche der Woche, über das Unverständnis, die Ratlosigkeit und die Wut. Nicht in allen Gesprächen, aber in immer mehr Gesprächen. Schreiben über die stürmische Zeit, die meteorologische, die wirtschaftliche und oft die psychische.

Doch darüber schreibe ich nicht. Nicht über diese vielen Gespräche. Aber über das eine Gespräch. Das nicht in dieser Zeit stattfindet, sondern vor fast genau sechs Jahren. Als mich ein Freund in der Klinik anruft, um mir zu gratulieren. Nicht nur zum Geburtstag, sondern zu meinem Glück, dass ich als solches noch nicht wahrgenommen habe. Weil der Schock noch zu tief, die Erleichterung nach der überstandenen Hirn-OP noch zu groß ist.

Was mein Freund versteht und mir dennoch mit seiner für ihn so typischen optimistischen Art wieder Mut macht und mir erklärt, dass ich kein Pech mit dem Tumor, sondern Glück mit der Operation habe. Das ich Lotto spielen soll, da ich doch ein Glückskind sei und wir darüber lachen. Lachen und vereinbaren, ein Kölsch zusammen zu trinken. Auf das Glück und auf das Leben. Wenn der Mist vorbei ist.

Das Kölsch trinken wir dann schnell zusammen getrunken und wir sprechen dabei über das Leben. Weil das Leben weitergeht. Mit allen Höhen und Tiefen, die das Leben bietet. Für mich, aber auch für ihn.

Die Höhen, die wir genießen. Die Tiefen, über die wir klagen. Mein Freund nicht. Er genießt seine Höhen, klagt nicht über seine Tiefen. Findet immer Lösungen und seine Kraft in seinem Beruf, der für ihn seine Berufung ist, weil er in seinem Beruf für andere da ist. Weil er andere ermutigen kann, helfen kann, Lösungen finden und Zuversicht vermitteln kann. Weil es für seine Kunden keinen besseren Versicherungsbetreuer geben kann. Immer freundlich, zuverlässig, kompetent und optimistisch.

Darüber sprechen wir am Telefon. Zu Beginn dieses Jahres, als es ihm wieder gut geht. Weil er doch auch ein Glückskind ist und die Erkrankung schnell heilbar ist. Alles gut ist und er schon wieder auf dem Weg zum Kunden ist. Und wir vereinbaren, ein Kölsch zusammen zu trinken. Wenn der Mist vorbei ist.

Das Kölsch werden wir nicht mehr zusammen trinken. Über das Leben werden wir nicht mehr miteinander sprechen. Weil es nicht mehr ist, sein Leben. Weil er nicht mehr bei uns ist. So plötzlich.

Das Kölsch werde ich alleine trinken und dabei mit ihm sprechen und ihm versprechen, dass ich an ihn, an das Gespräch vor sechs Jahren und an die vielen anderen Gespräche denke. Dass ich an seinen nie versiegenden Optimismus denke und mich daran erinnere, dass ich ein Glückskind bin. Was ich bin. Und ich weiß, dass er will, dass ich es weiß. Dass wir das wissen. Das wir das sind, wenn wir gesund sind. Glückskinder. Nicht erst, wenn der Mist vorüber ist.

Tschüss mein Freund. Ich danke Dir. Für das Gespräch. Für die Zuversicht, die Du mir – nicht nur – vor sechs Jahren gegeben hast.
Die Du allen, mit denen Du warst, für die Du da warst, gegeben hast. Die Zuversicht und den Optimismus, die uns zu Glückskindern macht.

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