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Unsere Berufung braucht professionelle Grenzen

25

JUNI, 2018

STEFAN HAGEN

Es ist ein Glück, seine Berufung zu erkennen. Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die mit großem Engagement ihrer Leidenschaft folgen und sogar aus ihrer Berufung, einen Beruf machen. Nicht nur als Selbstständige oder Unternehmer, auch als Mitarbeiter oder Beamte.

Nur, wie finden wir unsere Berufung?

Dazu gibt es viele Bücher, die das Finden unterstützen können. Die Erfahrungen meiner Kunden und auch meine persönlichen zeigen mir, dass wir unserer Berufung nicht finden, sondern dass die Berufung uns findet.

Manche findet sie früher, sowie einen jungen Friseur, der mittlerweile Weltmeister ist und einen großen Salon übernommen hat. Er erzählte mir einmal, dass er bereits mit 14 wusste, dass er nicht Friseur wird, sondern dass er einer ist. Manche aber auch erst später, nach vielem Ausprobieren, vielen Wegen in die falsche Richtung, nach vielen Wendungen oder auch Schicksalsschlägen im Leben.

So wie bei mir, der ich erst nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung und deren Verarbeitung erkannte, dass das Gespräch mit Menschen meine Berufung ist.

Wenn Beruf auf Berufung trifft, ist es so besonders wie eine Sternschnuppe.
Nur das wir dafür Sorge tragen können, dass wir nicht dabei verglühen.

Wenn ich meiner Tochter für ihr Leben etwas wünsche, u.a. dass ihre Berufung sie früh findet und dass sie den Mut hat, daraus einen Beruf zu machen. Denn es ist ein Glück, nicht nur einen Beruf haben zu müssen, sondern haben zu dürfen. Und ich wünsche ihr, dass sie erkennt, dass die Berufung ein Teil ihres Lebens ist. Eben ein Teil.

Denn die Berufung braucht auch Grenzen. Viele meiner Kunden brennen für ihren Beruf, für ihre Berufung.

Sie brennen so stark, dass sie ausbrennen, weil sie vergessen, dass Feuer auch Sauerstoff braucht und sie selbst keine Luft mehr holen.

Sie sind so begeistert von dem was sie tun, dass sie gar nicht mehr differenzieren zwischen Berufung und Beruf. Oder dass sie gegenüber anderen nicht mehr differenzieren, zwischen Dienstleistung und Freundschaft. 

Trifft Beruf auf Berufung wird schier unmögliches möglich …

Genau das habe ich in diesem Monat wieder einmal erlebt. Nach einem langen Gespräch mit einem Freund über sein Unternehmen, seine Situation, seine Stärken, seine Perspektiven und seine möglichen Schritte.

Ein Gespräch, in dem ich konzentriert zuhörte, mitdachte, Zusammenhänge herstellt, Fragen stellte, stärkte, seine Ideen sortierte, motiviert. Eben ein typisches Gespräch mit Stefan Hagen. Ein Gespräch, für das ich keine Rechnung stellen, er aber bezahlen wollte. Für mich war es ein freundschaftliches, für ihn war es ein hilfreiches Gespräch.

Für mich war es Berufung, für ihn war es Beruf. Eine Situation, die ich oft erlebe, weil auch ich viel zu selten Grenzen setze. Eine Situation, an der ich verbrennen kann, weil ich häufig mal eben mit jemanden spreche, ohne dies abzurechnen. Und das auch noch in Zeiten, in denen ich eigentlich Luft holen wollte. 

„Es gibt einen Platz, den du füllen musst, den niemand sonst füllen kann; und es gibt etwas für dich zu tun, dass niemand sonst tun kann.“

Plato

Was ich daraus gelernt habe?

Wenn wir unsere Berufung zu unserem Beruf machen, sollten wir Grenzen ziehen.

Wenn wir unsere Berufung zum Beruf machen, müssen wir die Balance zwischen brennen und verbrennen finden. Erst wenn wir konsequent dazu stehen, dass wir mit dem was wir gut und vor allem gerne machen, nicht nur emotionales, sondern auch ein monetäres Honorar bzw. Lohn oder Gehalt erhalten wollen, wird unsere Berufung zum Beruf und wir können davon leben.

Unsere Berufung braucht professionelle Grenzen, sonst verbrennen wir.

GEDACHTES

GEFÜHLTES

ERLEBTES

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