Es ist Samstag. Mit einem Text von Freitag.

Ok, ein schwerer Text, nach einer schweren Woche, bei einem schweren Rotwein geschrieben. Vielleicht „zu viel“ Rotwein.

ZU VIEL

Es ist Freitag. Abend. Ich bin zu Hause. Trinke Wein. Kein Espresso. Rotwein. Trocken. Schwer. Schwer, wie die Woche. Die Woche, für die ich ein Wort suche. Ein Wort, was diese Woche beschreibt. Eine Woche mit Anfragen, Absagen und Zusagen. Mit einem virtuellen, einem anderen Vortrag. Eine Woche mit vielen Fragen, Gedanken und Ideen. Mit vielen Entscheidungen, in den sehr vielen Gesprächen. Ich suche ein Wort für die Woche und finde zwei:

Zu viel!

Nicht Wörter. Zu viele Gedanken. Zu viel Corona. Virus, nicht Bier. Zu viele Informationen. Zu viele Leugnungen. Viel zu viel Verschwörung mit zu wenig Realität, Verstand und zu viel Wut. Zu viele Worte beschreiben die Woche. Beschreiben die vergangenen Wochen. Wie viele Wochen? Zu viele.

Wochen mit viel weniger. Weniger Freiheit, weniger Sicherheit, weniger Gewissheit. Weniger Zuversicht? Weniger Hoffnung? Bestimmt nicht. Doch Wochen mit weniger Normalität. Ohne zu wissen, was die alte Normalität war. Ahnend, dass die neue Normalität anders ist.

Vielleicht anders, weil sie weniger sein wird. Nicht weniger Freiheit, weniger Demokratie. Vielleicht sogar mehr davon. Weil wir sie gerade vermissen. Die Bewegungsfreiheit. Die Berufsfreiheit. Die Versammlungsfreiheit. Freiheit, die wir vermissen, um uns zu schützen. Um unsere Gesundheit zu schützen. Unsere und vor allem die Gesundheit anderer. Nie vergessen! Freiheit, die zurückkehrt. Weil wir gerade lernen, sie mehr zu schätzen. Die Freiheit und die Demokratie. Die demokratische Freiheit. Weil wir wieder mehr diskutieren und uns mehr einmischen, mehr streiten werden. Mehr wagen werde. Mehr Demokratie wagen. Hoffentlich.

Vielleicht anders, weil wir weniger haben werden. Weniger Wachstum. Weniger Konsum. Weniger Überfluss. Weniger Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit. Weil es schwieriger wird. Wir uns zurücknehmen müssen. Nicht wollen. Ängstlich.

Vielleicht auch anders, weil wir mehr haben werden. Mehr Digitalisierung. Noch mehr Beschleunigung. Mehr Online-, auch viel mehr Offline-Gemeinschaft. Vielleicht mehr Nachhaltigkeit. Mehr Mut. Mehr Verständnis. Mehr Respekt und mehr Wertschätzung. Mehr Wert des persönlichen Kontakts, des persönlichen Gesprächs, der körperlichen Nähe. Mehr Wert. Weil wir feststellen, welchen Wert die Liebe, der Beruf, die Gemeinschaft, welchen Wert unser Leben hat. Und das Leben des anderen. Lebenswert. Träumerisch.

Zu viele Gedanken, zu viele Wörter. Weil wir wissen, dass diese Zeit verändern wird. Unsere Gesellschaft. Unsere Arbeit. Unser Leben. Anders, weil es anders sein wird, ohne zu wissen, wie es sein wird. Mit dem Wissen, dass es das sein wird, was wir daraus machen. Was wir zukünftig anders machen, weiter machen, neu machen werden.

Zuversichtlich!

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